Rivalistisches Denken - Neid
Wetteifern kann offen geschehen, kann fair und gesund sein, kann konstruktiv die beteiligten Rivalen fördern. Dagegen ist rivalistisches Denken und Handeln nicht offen, verstellt sich, ist nicht fair, produziert krankhaften Neid. Das was man Ressentiment nennt, ist destruktiv. Es entspringt eigenen Defiziten, aber steht nicht dazu und hatte sich in Europa schon auf Juden eingeschossen, als dort noch keine Roma erschienen waren. Vordergründig ging es dabei lange um Religion, aber dahinter immer schon um Bildung, Geist, Wissen, Weltläufigkeit, Besitz, - also Rivalität in Bezug auf eher Rationelles, Bewusstes.
Henne oder Ei?
Henne oder Ei?
Wenn
man will kann man sich endlos darüber streiten ob Neid einem
rivalistischen Denken entspringt, oder letzteres eine Folge von Neid ist. Wer war
eher, die Henne oder das Ei? Beides kann man begründen. Aber weil Denken und Fühlen letztlich auch eine Einheit sind, kann
man den Streit auch lassen. Beide
Vorgehensweisen haben ihre Vor- und - Nachteile.
Mit "Denken" kann man auf Dauer leichter trennscharf argumentieren, denn Neid, Angst, gehässiger Triumph, Verachtung und vielleicht noch andere Gefühle, können alle gleichermaßen rivalistischem Denken entspringen, aber ein manchmal nicht gleich verständliches dynamisches Zusammenspiel entfalten. So ist es oft nicht so leicht möglich, sich bei dem Thema "Gefühl" sprachlich nur auf einen Begriff festzulegen und es wird noch schwieriger, wenn man aus einer Sprache in eine andere übersetzt.
Mit "Denken" kann man auf Dauer leichter trennscharf argumentieren, denn Neid, Angst, gehässiger Triumph, Verachtung und vielleicht noch andere Gefühle, können alle gleichermaßen rivalistischem Denken entspringen, aber ein manchmal nicht gleich verständliches dynamisches Zusammenspiel entfalten. So ist es oft nicht so leicht möglich, sich bei dem Thema "Gefühl" sprachlich nur auf einen Begriff festzulegen und es wird noch schwieriger, wenn man aus einer Sprache in eine andere übersetzt.
Andererseits können wir Gefühle direkt spüren während wir uns rivalistisches Denken erst gedanklich erschließen
müssen. Nun - große Psychologen haben mit dem Begriff Neid argumentiert
und ich werde es auch tun, streckenweise jedenfalls.
Einschub:
Ich las in der TAZ, dass ein Götz Aly in einem 2011 erschienenen Buch, Neid als Motiv des Antisemitismus hervorhebt. Der Artikel erweckt den Eindruck, dass das eine neue Erkenntnis ist. Als ich 2010 von Neid auf Juden und Roma schrieb, ging ich davon aus, dass die Annahme eines Neides als Motiv für Antisemitismus im kritischeren öffentlichen Bewusstsein längst enthalten, oder jedenfalls ihm nahe ist. Und erwähnte ihn vor allem, um davon einen schwieriger fassbaren und viel leichter zu übersehenden Neid abzugrenzen, der aus rivalistischen Gefühlen gegenüber Roma resultiert. Mir ging es darum den Unterschied zwischen diesen beiden Neidformen herauszuarbeiten.
Einschub:
Ich las in der TAZ, dass ein Götz Aly in einem 2011 erschienenen Buch, Neid als Motiv des Antisemitismus hervorhebt. Der Artikel erweckt den Eindruck, dass das eine neue Erkenntnis ist. Als ich 2010 von Neid auf Juden und Roma schrieb, ging ich davon aus, dass die Annahme eines Neides als Motiv für Antisemitismus im kritischeren öffentlichen Bewusstsein längst enthalten, oder jedenfalls ihm nahe ist. Und erwähnte ihn vor allem, um davon einen schwieriger fassbaren und viel leichter zu übersehenden Neid abzugrenzen, der aus rivalistischen Gefühlen gegenüber Roma resultiert. Mir ging es darum den Unterschied zwischen diesen beiden Neidformen herauszuarbeiten.
Neid auf Roma?
Er existierte und existiert. Aber worauf bezieht er sich? Nachdem erste Roma in Europa als Pilger wahrgenommen wurden, kam für nachfolgende Gruppen bald eine "goldene Zeit", eine Zeit in der sie mit Privilegien der Adligen ausgestattet wurden. Dass sie deshalb beneidet wurden, ist einfach zu verstehen. Aber das währte nur wenige Generationen lang, (zwischen 40 und 80 Jahre), dann hatten sie jahrhundertelang weniger Rechte als jeder andere Europäer, waren hier sogar vogelfrei und da versklavt und schließlich sogar Opfer von rassistischem Völkermord. Und auch wenn es ihnen zwischenzeitlich besser ging, gehörten sie im Allgemeinen zum ärmsten Teil der Bevölkerung. Ich erwähnte das bereits und rufe es hier nur ins Gedächtnis, um einer Frage Gewicht zu geben: Um was konnten oder können rivalistische Nichtroma da noch rivalisieren? Worauf konnte oder kann sich Neid da noch beziehen?
Ich meine: Das Motiv des Antiziganismus ist nicht mit einer bürgerlichen Normalpsychologie zu verstehen, die Neid auf materiellen Besitz, Bildung oder Status leicht begründen kann. Neid auf Roma entspringt einem rivalistischem Denken in Bezug auf teils unbewusstes, teils schwer bewusst fassbares und teils falsch verstandenes Emotionales. Er entspringt einem Minderwertigkeitsgefühl, das sich auf eigene Emotionalität bezieht, nicht bewusst werden darf und in verwandter Form in Bezug auf manche ehemals kolonialisatorisch unterdrückte Menschen existiert.
Ich meine: Das Motiv des Antiziganismus ist nicht mit einer bürgerlichen Normalpsychologie zu verstehen, die Neid auf materiellen Besitz, Bildung oder Status leicht begründen kann. Neid auf Roma entspringt einem rivalistischem Denken in Bezug auf teils unbewusstes, teils schwer bewusst fassbares und teils falsch verstandenes Emotionales. Er entspringt einem Minderwertigkeitsgefühl, das sich auf eigene Emotionalität bezieht, nicht bewusst werden darf und in verwandter Form in Bezug auf manche ehemals kolonialisatorisch unterdrückte Menschen existiert.
Penis -, Ratio - und Emoneid.
Analog dem Begriff Penisneid könnte man für die ungleichen Rassismen Antisemitismus und Antiziganismus, als jeweiliges Motiv einen Rationeid und einen Emoneid postulieren.
(Mit den Worten Rationeid und Emoneid vermeide ich schwerfällige Formulierungen wie "sich auf Rationalität oder Emotionalität beziehender Neid")
(Mit den Worten Rationeid und Emoneid vermeide ich schwerfällige Formulierungen wie "sich auf Rationalität oder Emotionalität beziehender Neid")
Der Vergleich mit dem Penisneid diente mir zunächst lediglich dazu, meine spontanen Wortschöpfungen Rationeid und Emoneid sprachlich verstehbar machen. Wenn ich aber einbeziehe, dass die psychoanalytische Annahme des Penisneides insofern fragwürdig ist, dass ein in seinem Stolz von kleinauf respektiertes Mädchen diesen gar nicht entwickelt, gefällt mir der Vergleich ganz gut, denn glücklicherweise (aber schlimm genug) neigen nur rivalistische Menschen dazu, die hier thematisierten rassistischen Neidformen zu entwickeln.
Wie jeder andere Rassismus auch, dienen die beiden Rassismen Antisemitismus und Antiziganismus der Kompensation psychologischer Defizite des Rassisten. Ich wunderte mich, als ich durch einen Wickipedia-Check erfahren musste, dass das keine aktuell selbstverständliche Aussage ist und anscheinend von namhaften Rassismusforschern in Frage gestellt wird.
Rassismusforschern in allem folgen?
Ich las (Wickipedia), dass nach dem Rassismusforscher Memmi, der Rassismus "primär der Herrschaftssicherung" diene. "Sein Sinn und Zweck läge in der Vorherrschaft und nur sekundär darin psychologische Defizite zu kompensieren".
Meine Erfahrung mit Rassisten, lässt mich aber darauf beharren, dass Rassismus sehr wohl primär der Kompensation psychologischer Defizite dient und ich glaube, dass Rassismus als Mittel der Herrschaftssicherung ein Zeichen dafür ist, dass in dem Falle auch diese selbst (die Herrschaftssicherung) im Dienste der Kompensation psychologischer Defizite steht.
Aussagen über wen?
Wenn man über Antiziganismus spricht, muss man aufpassen, dass man nicht mißverstanden wird. Einem Mißverständnis möchte ich hier vorbeugen: Wenn Juden oder Roma seitens besonders rivalistischer Teile unserer Mehrheitskultur als Rivalen erlebt und beneidet wurden/werden, sagt das sehr viel über Eigenschaften derer aus, die den Neid erleben und sehr wenig über Eigenschaften derer, die so erlebt werden!
Weil aber manche Menschen besonders gerne über die reden, die sie nicht nur nicht kennen, sondern auch nicht kennenlernen wollen, betone ich hier - (und bitte die LeserInnen für die ich das unnötigerweise tue um Nachsicht), dass es mir um einen Beitrag zur geistigen und emotionalen Verfassung unserer "Leitkultur" geht!
Wer sich einfach nur unbefangen über Roma informieren will, sollte sich an die Roma selbst halten, die übrigens auch im Internet, der Literatur, in Veranstaltungen u.a. präsent sind. Ich schreibe hier für die, die sich darüber hinaus oder überhaupt mit Antiziganismus auseinandersetzen möchten, weil sie diesem bei anderen, oder in Selbstreinigungsabsicht in sich selbst entgegentreten wollen, vielleicht auch um wirklich einmal unbefangen mit Roma in Kontakt treten zu können.
Die Hauptsache:
Meine Thesen vom Ratio- und Emoneid beinhalten, dass in unserer sogenannten Mehrheitskultur ein besonderes Problem in Bezug auf Rivalität im Zusammenhang mit Rationalität und Emotionalität existiert, von dem die Minderheiten, an denen es ausgetragen wird, nicht die Verursacher sind!
Daraus folgt, dass sich für uns alle die Aufgabe stellt dieses Problem gewaltfrei und konstruktiv zu lösen und dass das nicht nur den Angehörigen unserer Minderheiten, sondern auch der mentalen Verfassung unserer Mehrheitskultur als Ganzer gut tun würde.
Ein vereinigtes Europa bietet eine historisch neuartige Chance für inneren Frieden, auch im Sinne einer Qualitätsverbesserung, Vertiefung und Nachhaltigkeit derselben. Der Umgang der Nichtroma in Europa untereinander steht in einem Zusammenhang mit ihrem Umgang mit den Roma. Das ist schon lange so und ist zugleich hochaktuell.
Ein vereinigtes Europa bietet eine historisch neuartige Chance für inneren Frieden, auch im Sinne einer Qualitätsverbesserung, Vertiefung und Nachhaltigkeit derselben. Der Umgang der Nichtroma in Europa untereinander steht in einem Zusammenhang mit ihrem Umgang mit den Roma. Das ist schon lange so und ist zugleich hochaktuell.
Für Eierköpfe eine akademische Selbstreinigung.
Eine Bekämpfung und/oder analytische Auflösung des sog. Antiziganismus muss sich auch von einigen Fesseln frei machen, die von akademischem Denken ausgehen können, sonst blockiert sie sich selbst. Gerade "akademisch Gebildete" neigen mitunter zu antiromantischen Reflexen, die selbst in streckenweise klugen Ausführungen vorgeblicher Anti-Antiziganisten wie rivalistische Seitenhiebe klassischer großer Brüder gegenüber romantischen jüngeren Brüdern auftauchen. Das geschieht getreu dem alten Kampf zwischen Klassikern und Romantikern, der von Beginn an einer zwischen Platzhirschen und Neuerern war, wobei sich Letztere antiautoritär weigerten ihre Gefühle als Preis für Anerkennung zu opfern. Sie verzichteten auf elitäres Latein und stellten dem klassischen Lateinzwang die Forderung nach einer jedem verständlichen Sprache gegenüber, ähnlich wie Geistesverwandte heute die Forderung nach Transparenz erheben. Einfach erzählen und so den Gefühlen und Wahrheiten zu ihrem Recht verhelfen, das war die Devise und es war auch die Geburtsstunde des Romans.
Einschub:
Einschub:
Ähnliche klassische Fesseln wie die hier erwähnten haben den Sozialismus schon ausgehöhlt, bevor er irgendwo "real" werden konnte. In der akademischen Diskussion über den "subjektiven Faktor" (eigentlich ein Unwort, da es selbst kalkulierend, objektivierend daherkommt. Darauf wies Peter Brückner hin) wurde erkannt, dass seine Abspaltung und Ausblendung aus der politischen Reflexion der Marxisten, zu Kreativitätsverlust, Entdemokratisierung und dogmatischer Selbstzerstörung sozialistischer gesellschaftlicher Alternativen geführt (zumindest entscheidend beigetragen) hat. Diese Erkenntnisse wurden allerdings nicht nur von dogmatisch verengten Marxisten im Realen Sozialismus ignoriert und oft gar nicht verstanden, sondern auch von den Strömungen und Nachfolgeströmungen der 68iger Bewegung, die sich schon bald den emotionalen und geistigen Anforderungen emanzipatorischer demokratischer Bewegung nicht gewachsen zeigten und sich in dogmatischen Sekten aufspalteten (die sog. K-Gruppen u.a.)
"Antiziganismus? - Breivig zeigt woanders hin!"
So hörte ich. Ist Antiziganismus für Europa ein Randproblem weil ein Rivalisieren um Religion/Werte das größere Problem ist?
Muslime werden heute von Europäern, die eine politische Festschreibung einer „christlichen Leitkultur“ wünschen, (wieder) als Rivale in Bezug auf Religion angegriffen, wohl hier und da auch verbunden mit der Hoffnung mit dem Schüren dieser Rivalität christliche Religiosität zu beleben. Aber vor allem wollen Leitkulturfans die Macht der rechtskonservativen und neoliberalen Positionen in unserer Gesellschaft stärken.
Das ist gefährlich. Es schwächt die historisch errungenen konstruktiven gesellschaftlichen Positionen in Europa, die auf dem Boden des humanistischen Teils der Aufklärung und der Menschenrechte stehen und religiöse Begründung nicht brauchen (aber tolerieren) und es schwächt noch anderes:
Es gibt auch in islamisch geprägten Ländern Bereitschaften von religösen Muslimen zwischen Politik und Religion zu trennen. Es gibt sogar entsprechende Verfassungen. Wollen wir die Säkularisierung dort schwächen? Wünschen wir dort eine Stärkung des Islams als politisch festgeschriebene Leitkultur? Und nicht zu vergessen:
Wollen wir die vielen human denkenden Muslime, die es auch in (noch) nicht säkularisierten islamischen Ländern gibt, in ihrer Position gegen Hetzer schwächen?
Wieder Leitkultur?
Und wenn ja, Welche? Wollen wir ein Abwürgen von "Multikulti" durch eine Leitkultur, die sich nicht als multikulturelle verstehen kann?
Seien wir sensibel dafür, welche Signale wir aussenden. Dass Radio Multikulti in Berlin, das vorbildlich integrativ funktionierte, abgewürgt wurde, war schon ein Alarmzeichen und dass in der Zeit dann seitens der Bundeskanzlerin versucht wurde, „Multikulti“ in seiner Gesamtheit demonstrativ für tot zu erklären, war noch bedenklicher. Es blieb da nur zu hoffen, dass manche Totgesagten wirklich länger leben können.
Das Rivalisieren in Bezug auf Religion schwächt nicht nur die konstruktiv um Frieden und Menschenrechte bemühten Anteile innerhalb des Islam, es schwächt auch die innerhalb des Judentums sowie die innerhalb der christlichen Kirchen. Es schwächt alle religiös engagierten Menschen, die nicht miteinander rivalistisch rivalisieren wollen und menschlich der jeweils beste Schatz ihrer Kirchen, Synagogen oder Moscheen sind.
Ich beschränke mich auf den uns geographisch nahe liegenden Kulturkreis, aber natürlich gilt das auch in Bezug auf noch ganz andere Religionen und weltweit.
Und die Roma?
Auch in Bezug auf die Roma macht es Sinn, die aktuelle gesellschaftliche Dynamik in Bezug auf Muslime, im Auge zu behalten, in der nicht umsonst auch ständig das Wort Integration strapaziert wird. Das Rivalisieren in Bezug auf Religio könnte für uns alle ungeheure Auswirkungen haben, sogar zu einen Weltkrieg beitragen, (dessen Hauptursache vermutlich unsere Unterwerfung unter eine alte Strategie der USA sein würde) aber es wird in der Zukunft sicher - und hoffentlich nicht erst nach einem neuen Weltkrieg - auch wieder heruntergefahren werden, durch die „Händel der großen Nationen“ (siehe a.a.O.).
Wird die interkulturelle Verständigung dann auch den Roma zugute kommen?
Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an eine persönliche Erfahrung mit einer interkulturellen psychotherapeutischen Gruppe von Jugendlichen, mit der ich in den achziger Jahren in West-Berlin arbeitete: Nachdem es endlich möglich wurde, dass arabische, türkische, iranische, jugoslawische, französische und deutsche Jugendliche Streit begruben und ein gemeinsames Fest feierten, geschah es, dass die zuvor wortgewaltigsten Kontrahenten, miteinander „versöhnt“, sich ihrer gemeinsamen Ablehnung der „Zigeuner“ zu versichern begannen, (ihren jeweiligen Eltern nachplapperten, wie sich bald herausstellte). In der Gruppe gab es keinen Rom.
Antiziganismus als Kitt für Völkerverständigung?
Zusammenschluß auf Kosten eines Sündenbocks, Antiziganismus als Kitt für „Völkerverständigung“? Kann das, was sich hier im Kleinen abbildete, im Großen geschehen? Kann man sich Völkerfreundschaft und interkulturelle Verständigung auf Basis der Ausgrenzung der Roma vorstellen?
Könnte man einer derartigen Verständigung und Freundschaft trauen? So eine "Völkerfreundschaft" verhindere Europa!
Es ist dringend zu wünschen, dass die „Händel der großen Nationen“ bewirken, dass die sog. islamische und die sog. westliche Welt ihre Spannungen untereinander reduzieren, z.B. durch einen Frieden in Israel/Palästina und und ... Das weiß inzwischen jeder. Weniger wissen:
Für Menschenrechte in der Welt und tiefergehende Völkerverständigung kann nur ein Europa glaubhaft eintreten, dass seine Roma nicht ausgrenzt.
Hoffentlich geht es in diese Richtung – Begründete Befürchtungen klingen anders und bei Rivalität um eher unbewusst Emotionales ist immer auch mit besonderen Formen von Irrationalität zu rechnen, mit Phänomen, die man so schwer erklären kann, dass man sie leicht verdrängt.
Ich stoße oft auf aktuelle Beispiele aus dem Alltagsleben, die von vielen übersehen werden, will hier nur auf ein besonders bemerkenswertes historisches Beispiel aus unserem Land hinweisen.
Wahnsinn mit Methode.
Der Unterschied der bewusst und unbewusst empfundenen Rivalität in Bezug auf Juden und „Zigeuner“ durch die zeitgenössische/ damalige Leitkultur kam auch im Wahnsinn der Naziideologen, der bekanntlich wie jeder Wahnsinn auch Methode hat, wahnhaft und methodisch zum Ausdruck:
Je mehr „Judenblut“ jemand "hatte", desto mehr wurde er zum Feind erklärt. Der sog. reinrassige Jude an erster Stelle. Wenn die Judenahnen in der Ahnenreihe weit genug zurück lagen, wurde der „Mischling“ nicht mehr verfolgt, da das arische Blut dann so vorherrschend sei, dass es sich durchsetzen würde. Das Ganze war so unmenschlich wie scheinrational.
In Bezug auf die Roma (Ein momentan aktueller Wickipediartikel behauptet fälschlicherweise, dass sie von den Nazis als Semiten bezeichnet wurden .... Das ist nur ein vergleichsweise harmloses Beispiel von auf Schritt und tritt festzustellenden unbewusst begründeten Fehlleistungen in Bezug auf Roma. Diese wird sicherlich bald korrigiert sein, andere werden aber folgen) drehte man das um und erwog folgenden Plan:
Die als reinrassig erklärten Roma sollten es als "archaische Sonderform der Arier" in einem Reservat „gut haben“ und wie schöne Tiere studiert werden. Klingt irre und selbst nicht einmal mehr scheinrational. Es folgte: Die Mischlinge sollten vernichtet werden und dazu wurden fast alle erklärt.
Das war Wahnsinn bei Aufgabe jedes Scheins von Ratio und zugleich ein Extrembeispiel für eine tatsächlich mögliche Gleichzeitigkeit von Feindseligkeit und verlogener, pseudoromantischer Verklärung und deren besonderer Gefährlichkeit.
Weil es solche rassistisch und zugleich pseudoromantische Hitleristen (wie z.B. Eva Justin) gab, haben die Hüter antiromantischer Reflexe heute oft ein leichtes Spiel in dem die Pseudoromantiker zur Diskreditierung der Romantiker herhalten sollen. Dazu vielleicht einmal mehr. Hier nur:
Schönes Brauchtum, schöne Kunst
Es könnte interessant werden, sich einmal mit unseren Volksliedern, Dichtungen usw unter dem Aspekt Romantik - Pseudoromantik - Antiromantik - und Antiziganismus zu beschäftigen. Dabei wären grob zu unterscheiden, welche Lieder, Dichtungen, oder Bilder, oder, oder, echt romantisch sind und welche in pseudoromantischer antiziganistischer Absicht versuchen Terrain zu besetzen.
Vielleicht stelle ich einmal einige Beispiele vor. Antiziganismusverdächtig finde ich z.B. "Lustig ist das Zigeunerleben" während ich das Pfadfinderlied "Ich kenne Europas Zonen" mag, auch wenn ich dem Helden des Liedes Geld wünsche, obwohl er darauf pfeift.
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