Erste Fassung von Teil 1 - 4 2010
Zu meiner Person, insoweit es für das Thema relevant ist:
Zu meiner Person, insoweit es für das Thema relevant ist:
Schon als Kind empörte mich Feindseligkeit gegen "Zigeuner", die für mich dabei zunächst einfach nur Menschen waren, über die sich gerade die ein Urteil anmaßten, die sie nicht kannten. So lehrte es mich meine Mutter, - erstmals als ich mich Anfang der 50iger Jahre mit der Trennung von meinem ersten Freund, einem „Brown Baby“ (Kind einer weißen Deutschen und eines schwarzen GI) auseinandersetzte. Später erzählte sie mir, wie noch mein Ururgroßvater, ein in seiner Gegend im Weichseldelta hochgeachteter Lehrer, dafür sorgte, dass jährlich in den Sommer-/Ernteferien eine Romagruppe in den Klassenräumen des ansonsten von ihm und seiner Familie bewohnten Schulhauses wohnen konnte. Er setzte damit eine Familientradition der Freundschaft mit Roma fort, die bis auf wiederum seinen Ururgroßvater, zurückverfolgt werden kann, der 1700 plus x (x < 15) eine ungarische Romni heiratete und historisch einer der ersten, wenn nicht sogar der erste, Lehrer seiner Gegend wurde.
Ein Sohn meines Ururgroßvaters heiratete die Tochter eines Prussen, der gar nicht daran dachte, sich als solcher zu verleugnen, nur weil die so genannten Preussen (richtig gelesen, ich bezeichne die glorreichen Preussen hier als sogenannte Preussen) nach Unterwerfung und teilweiser Ausrottung der Prussen, diese auch noch aus dem Gedächtnis der Welt zu tilgen versuchten, indem sie sich ihren Namen gaben ("Vornehm" heißt es: sich nach der Region benannten) und dafür sorgten, dass Prussisch "vergessen wurde" und die meisten Prussen dort deutsche Familiennamen annahmen, so wie sie in Polen polnische annahmen.
Diese sehr frei und schon mehr europäisch als national denkende Uroma von mir war der Meinung, dass ein Testament dem Anspruch nach die Wahrheit über die Vorgeschichte zu sein hat "so wie das Alte und das Neue Testament es zu sein vorgibt". Sie klärte insbesondere meine Mutter über Vieles auf und sorgte dafür, dass die Romageschichte, sowie die der Prussen, in meiner (Groß-)Familie nicht von den um bügerliche Reputation und insbesondere in der Nazizeit auch um bloße Sicherheit bemühten Familienangehörigen totgeschwiegen werden konnte. Einen Verbündeten fanden sie und meine Mutter dabei besonders im Vater meiner Mutter, der außer österreichischen, kaschubische Ahnen hatte.
Diese sehr frei und schon mehr europäisch als national denkende Uroma von mir war der Meinung, dass ein Testament dem Anspruch nach die Wahrheit über die Vorgeschichte zu sein hat "so wie das Alte und das Neue Testament es zu sein vorgibt". Sie klärte insbesondere meine Mutter über Vieles auf und sorgte dafür, dass die Romageschichte, sowie die der Prussen, in meiner (Groß-)Familie nicht von den um bügerliche Reputation und insbesondere in der Nazizeit auch um bloße Sicherheit bemühten Familienangehörigen totgeschwiegen werden konnte. Einen Verbündeten fanden sie und meine Mutter dabei besonders im Vater meiner Mutter, der außer österreichischen, kaschubische Ahnen hatte.
So wurde ich schon als Kind im Sinne eines nationalstaatliches Denken überwindenden europäischen Denkens beeeinflusst, wurde für das Thema „Untertanengeist versus antiautoritäres, oder freiheitliches Denken“ sensibilisiert - und dafür, dass Antiziganismus, historisch und aktuell zu verstehen, aufzulösen, oder zu bekämpfen, für einen echten inneren Frieden in Europa unabdingbar ist.
Bevor mein älterer Bruder Europa verließ, um als Soziologe in Südamerika zu arbeiten, hatte er engen Kontakt mit einer Romagruppe in Spanien, der nach Jahren „legalisiert“ wurde, indem ein Romafreund Taufpate seiner ersten Tochter wurde. Ich studierte damals Psychologie, wozu mich 1967, nach einem Studienbeginn in Politologie und Soziologie, ein Sozialpsychologe, politischer Psychologe und Psychoanalytiker motivierte, der als Halbjude früh gelernt hatte, was Untertanengeist heißt und Antiautorität lehrte, die nicht dem Zerrbild davon entspricht.
Als Psychologe und Psychotherapeut hatte ich wiederholt Klienten mit Romaverwandtschaft und pflegte privat freundschaftliche Beziehungen mit Roma, deren Nachbarn und Kollegen nicht wussten, dass sie welche waren. Eine Jenische wurde Trauzeugin für meine Frau und mich.
Es gab Jahrzehnte, in denen ich alles las, was ich zum Thema Roma zu lesen bekam und als sich Anfang der 80iger Jahre in der BRD die Sinti und Romaunion, im Verbund mit einer Menschenrechtsorganisation, für die politische Anerkennung der Naziverbrechen an den Roma in Europa einsetzte, wurde ich Mitglied in dieser Menschenrechtsorganisation.
In Jahrzehnten "gewöhnte" ich mich an etwas, an das ich mich nie gewöhnen kann: Viele Menschen äußern sich entweder antiziganistisch, sehr häufig ohne je einen Roma kennengelernt zu haben (oder ohne zu reflektieren, wie sie sich beim "Kennnenlernen" selbst aufführten), oder sie zeigen keine Meinung, oder sie fragen nur wie denn diese Minderheit in Wirklichkeit geartet sei. Und das wollen sie dann von mir oder anderen Nichtroma wissen und sich nicht auf die Selbstdarstellung der Roma einlassen, die doch für jedermann zugänglich ist.
Dass wir Nichtroma uns mit uns und dem Antiziganismus in unserer Gesellschaft auseinandersetzen müssen, um uns und den Roma ein gemeinsames besseres Europa zu ermöglichen, wird dann oft, wenn überhaupt, nur abstrakt verstanden, also nicht wirklich verstanden.
Meine Erfahrungen haben mir immer wieder gezeigt, dass es für erwachsene Nichtroma (Kinderfragen an Erwachsene sind von anderer Selbstverständlichkeit) sinnlos ist untereinander über eine „Andersartigkeit“ der Roma zu sprechen, auch nicht akademisch verbrämt. Es wird nur Faselei und verstärkt die schlechte Gewohnheit sich nicht mit den Roma selbst und dem eigenen Rassismus, was Antiziganismus naturgemäß ist, auseinanderzusetzen.
(Überflüssig das so zu betonen? Ich habe es erlebt, dass Leute den "Verdacht von Rassismus" empört von sich wiesen und antiziganistisch weiter redeten.)
Schlimmstenfalls, oder sogar in der Regel, geht es dabei nur darum Bestätigung und Futter für das eigene Ressentiment zu suchen, das durch eine behauptete Andersartigkeit der Roma geradezu hervorgerufen werden würde, was dann beweisen soll, dass man nichts für die eigene Feindseligkeit könne.
(Überflüssig das so zu betonen? Ich habe es erlebt, dass Leute den "Verdacht von Rassismus" empört von sich wiesen und antiziganistisch weiter redeten.)
Schlimmstenfalls, oder sogar in der Regel, geht es dabei nur darum Bestätigung und Futter für das eigene Ressentiment zu suchen, das durch eine behauptete Andersartigkeit der Roma geradezu hervorgerufen werden würde, was dann beweisen soll, dass man nichts für die eigene Feindseligkeit könne.
Glücklicherweise habe ich auch Erfahrungen mit wirklich menschenfreundlichen Menschen gemacht und dabei festgestellt: Nichtroma, die sich romafreundlich äußern und ihren Äußerungen dabei kein intellektuelles Mäntelchen umhängen, werden seitens mancher "gebildeter" Meinungsmacher schnell als "romantische Spinner" abgetan. Das ist Anstoß geworden mich mit dem Phänomen antiromantischer Reflexe analysierend zu beschäftigen und intellektualistisch daherkommende antiromantische Attacken in ihrer menschenfeindlichen Spießigkeit zu entlarven.
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