Während über den Holocaust an den Juden immer wieder neu aufgeklärt wurde und wird und vielen Menschen der jüdische Begriff dafür, Shoa, geläufig ist, wurde und wird der Holocaust an den Roma verdrängt und so ist der Romabegriff, Porjamos, dafür weithin unbekannt.
In Deutschland ist erst in den 80iger Jahren durch Selbsthilfebewegungen der Roma, insbesondere der Sinti- und Romaunion und durch Unterstützung von beherzten Initiativen von Menschenrechtlern (vorneweg die "Gesellschaft für bedrohte Völker", GfbV) ein erster Durchbruch durch diese Schweigemauer bewirkt worden. Die Regierung stand erst dann dazu, dass Roma im Dritten Reich rassistisch verfolgt und vernichtet wurden, dass sie Opfer eines Völkermordes wurden. Große Teile der Bevölkerung hat die Aufklärung aber nicht erreicht und es ist schnell zu Nachverdrängungen gekommen.
Nachverdrängung? Wie geht das?
Ein Beispiel soll exemplarisch zeigen wie so etwas funktioniert:
Es nützte nichts, dass es vielen jüdischen Menschen, so selbstverständlich wie den Roma und anderen gewesen war,
dass ein Holocaustdenkmal allen Holocaustopfern gewidmet wird. Dass daraus nichts wurde, ist ein Skandal, der nicht vergessen werden sollte.
Es hieß, man könne der anderen Opfer, wie Kommunisten, sexueller Minderheiten, Behinderten u.a. ja extra gedenken, aber hier handele es sich eben um den Focus auf Rassismus. Auf verwunderte Nachfrage, erfolgte die einschränkende Korrektur: Antisemitismus -
Befördert hat diesen antiziganistischen und damit rassistischen Akt eine unheilige Allianz von u.a. Lea Rosh, leider auch einigen jüdischen Mitbürgern und dem damaligen Bürgermeister von Berlin, Diepgen. Man verhinderte ein gemeinsames Holocaustdenkmal in Berlin und setzte sich damit auch über die jüdischen Mitmenschen hinweg, die sich mit den Roma solidarisch zeigten.
Es ist übrigens berechtigt Lea Rosh hier namentlich hervorzuheben. Sie spielte eine entscheidende Rolle, hatte sich als noch unbekannte Journalistin durch
einen öfentlichkeitswirksamen Akt des Eintretens für Rechte der Roma
bekannt machen können und zeigte nun als sie "einen Namen hatte", dass sie Roma noch lange nicht als Gleiche erleben mochte. Sie machte sich zur Wortführerin der Planung eines Holocaustdenkmals, das das Gedenken an die ermordeten Sinti und Roma ausgrenzt.
Durch ihre vorherigen Recherchen konnte sie begreifen, wie groß die Gefahr für Nachverdrängungen in der Mehrheitsgesellschaft in Bezug auf den Holocaust an den Roma war und ist und wie viel Schutz vor dieser Nachverdrängung ein gemeinsames Denkmal bedeutet und bewirkt hätte.
Erst jetzt wird nun das bereits 1992 zugestandene Denkmal für den Porjamos, den Holocaust an den Sinti und Roma, eröffnet werden. Über die angeblichen Gründe mancher Verzögerungen möchte ich an dieser Stelle hinweggehen. Das Denkmal ist endlich da und öffentlichkeitswirksam hat, gerade noch rechtzeitig vorher, die Regierung Israels Romavertreter eingeladen. Alles wieder ok? Harmonie der getrennten Denkmäler? Schwamm drüber? Momentan vielleicht, aber die Einladung ist gewesen, die Denkmäler werden bleiben, getrennt wie sie sind und so sinnbildlich zeigen, wie sehr Roma immer noch für sich alleine stehen.
Die Frage bleibt also: Werden Roma in Deutschland und Europa aus dem Abseits heraus gelassen und müssen sie weiterhin um ihre Zukunft zittern? Diese angstvolle Frage müssen traumatisierte Opfer stellen dürfen und wir Nachfahren der Täter (oder ihrer Dulder, oder ...) müssen alles tun, was ihnen Sicherheit vermittelt. Und damit würden wir auch, ganz egoistisch, etwas für uns und für Europa tun. Denn:
Wenn wir Europäer der Länder uns gegenseitig leiden können wollen, wird das nicht wirklich auf der Basis der Ausgrenzung der Roma funktionieren.
Gerade wir Deutschen sollten wissen wie es sich anfühlt, sich als Mehrheitsangehörige nicht unbelastet genug lieben zu können. Wir und ganz Europa brauchen es, dass Roma hier so gut wie wir alle leben können.
Gerade wir Deutschen sollten wissen wie es sich anfühlt, sich als Mehrheitsangehörige nicht unbelastet genug lieben zu können. Wir und ganz Europa brauchen es, dass Roma hier so gut wie wir alle leben können.
Ich freue mich morgen zur Einweihung des Denkmals kommen zu können und werde in den nächsten Tagen Posts in diesen Blog stellen, die meine jahrzehntelange Auseinandersetzung mit der Feindseligkeit gegen Roma widerspiegeln.
So eine Auseinandersetzung sollte in der Selbstdarstellung der Nichtroma in Europa nicht fehlen und uns bereit für die Antizipation der Selbstdarstellung der Roma machen.
So eine Auseinandersetzung sollte in der Selbstdarstellung der Nichtroma in Europa nicht fehlen und uns bereit für die Antizipation der Selbstdarstellung der Roma machen.
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